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Der Weg aus dem Lockdown

Wie das Bezirksmuseum den Lockdown meisterte

Ab 31. Mai bietet das Oberpfälzer Freilandmuseum zum ersten Mal in diesem Jahr interessante Aktionen für bis zu 10 Personen an. Doch der Weg bis dahin war nicht leicht…

Als das Oberpfälzer Freilandmuseum am 12. Mai wieder seine Tore öffnet und die ersten Gäste in diesem Jahr das weitläufige Museumsgelände bei Nabburg besuchen dürfen, liegen aufregende und besondere Wochen hinter dem Team um Dr. Tobias Hammerl. „Mir war bewusst, dass die Aufgabe, das Oberpfälzer Freilandmuseum zu leiten, herausfordernd wird, aber nicht, dass es gleich zu Beginn so herausfordernd wird“, verdeutlicht der Historiker, der im Oktober seine Stelle beim Bezirk Oberpfalz angetreten hat und Anfang Januar die Geschicke der Einrichtung ganz übernommen hat.

Den ganzen Winter über haben er und die Mannschaft die neue Saison vorbereitet. Überall war Ende Februar die Vorfreude zu spüren: Die Handwerker und landwirtschaftlichen Mitarbeiter haben die historischen Gebäude und das Gelände aus dem Winterschlaf geweckt, das Team in der Verwaltung verteilte 30.000 Flyer mit dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm und die Gäste für die Saisoneröffnung am 21. März waren eingeladen. Und dann: landesweiter Lockdown aufgrund des Corona-Virus. Alle Freizeit- und Kultureinrichtungen im Freistaat werden geschlossen – so auch das Oberpfälzer Freilandmuseum.

Doch Dr. Hammerl und seine Leute geben sich nicht geschlagen: „Unser Freilandmuseum lebt durch unsere Besucher. Es ist schon komisch, die blühenden Bäume und die Kulturlandschaft um diese Jahreszeit so leer zu sehen. Aber jede Herausforderung bietet auch Chancen!“ Und diese Chancen sieht das Team des Freilandmuseums zu allererst in der digitalen Weiterentwicklung seines Angebots. „Da unsere Besucher in dieser Zeit nicht zum Freilandmuseum kommen können, muss das Freilandmuseum eben zu den Besuchern kommen – auf digitalem Weg“, so Hammerls Überlegung.

So wurde beschlossen, die Social-Media-Kanäle des Museums, vor allem die Facebookseite, mit Beiträgen zu befeuern (https://www.facebook.com/freilandmuseum.oberpfalz/). Neben historischen Gegenständen präsentieren die Mitarbeiter in kleinen Videos auch ihre tägliche Arbeit: Karl Pürzer von der Landwirtschaft zeigt, wie Obstbäume im März richtig zugeschnitten werden. Heuer vermittelt er sein Wissen eben via Facebook. Auch Museums-Schlosser Andreas Hupfer erklärt, wie er sein „Dienstfahrzeug“, ein Fendt-Dieselross aus dem Jahr 1953, repariert hat, und das vor laufender Kamera – und die digitalen Besucher schauen zu.

Digital festgehalten und entsprechend aufbereitet wird dies alles von Felix Schäffer, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Museum verantwortlich ist und mit Handy, Videokamera und ipad die Kollegen begleitet. So entstehen nach und nach viele interessante Posts, die ihre Fans finden. Und alle machen mit: Ob Landwirte oder Handwerker, Gartenexperten oder – nicht zu vergessen – die tierischen Bewohner des Museums. Auch sie werden quasi „Filmstars“. So konnte das Oberpfälzer Freilandmuseum trotz Lockdown viele Menschen digital erreichen und ist begeistert über mehr als 1.000 neue Facebook-Freunde und bis zu 10.000 erreichten Personen pro Post.

Die digitale Strategie beinhaltet nicht nur, mehr Beiträge über die sozialen Medien zu teilen. Auch der größte Hof des Museums soll virtuell seine Tore öffnen. Mit Hochauflösenden 360 grad Panoramaaufnahmen wird der Denkenbauernhof im Stiftlanddorf komplett digitalisiert. Damit soll der interessierte User jederzeit durch das imposante Gebäude flanieren können. Der virtuelle Besucher bekommt  nicht nur tolle Aufnahmen zu sehen, er findet auch interessante Hintergrunddetails zum Museum und erhält mittels Video-Boxen Einblicke in Veranstaltungen.

Anfang Mai gibt es dann eine Premiere im Oberpfälzer Freilandmuseum: Gästeführer Walter Bauer aus Nabburg führt via Livestream durch das so genannte Stiftlanddorf, und die Facebook-Fans verfolgen diese Führung an ihren Geräten. Die Reaktionen und Kommentare („Prima Idee - endlich mal wieder etwas Schönes von unserer Heimat. Viele Grüße aus Vohenstrauß.“) sind äußert positiv und freuen die Macher so sehr, dass die verschiedenen Formate des digitalen Konzepts im Laufe der Saison sicher weiter ausgebaut werden – auch wenn die Besucher nun wieder analog ins Museum kommen können. Sie finden: Ein unmittelbarer Besuch – auch unter Einhaltung der Hygienebestimmungen – ist und bleibt der „mit Abstand“ schönste Ausflug in das Oberpfälzer Freilandmuseum.